Pax Sentinel - Fluggesellschaften verweigern Preissenkungen trotz sinkender Kerosinkosten

Condor-Chef Peter Gerber hat Flugreisende auf spürbare Ticketpreiserhöhungen eingestimmt, da steigende Kerosinpreise die Betriebsmargen belasten. Dies erklärte der Manager in einem Gespräch für den POLITICO-Podcast „Power & Policy“ vom 11. Juni 2026. Herr Gerber erklärte gegenüber Moderatorin Joana Lehner, geopolitische Spannungen im Nahen Osten und Risiken für die Seewege durch die Straße von Hormus hätten die Kerosinpreise nach oben getrieben. Diese Entwicklung treffe die Fluggesellschaften vor dem anstehenden Winterflugplan, einer Phase mit traditionell schwächerer Nachfrage und schmalen Margen. Nach den von Herrn Gerber genannten Zahlen entfallen rund 30 Prozent eines durchschnittlichen Flugpreises auf Treibstoffkosten. Etwa 40 Prozent machen die operativen Eigenkosten der Fluggesellschaft aus, während staatliche Steuern, Flugsicherungsentgelte und Flughafengebühren die restlichen 30 Prozent binden. Fluggesellschaften nutzen rollierende Kerosin-Absicherungen, Finanzkontrakte zur längerfristigen Preisfixierung, doch Herr Gerber betonte, dass diese Absicherungen den Kostendruck lediglich verzögern, aber nicht aufheben. Bei anhaltend hohem Kerosinpreis müssten Airlines die Mehrkosten an die Passagiere weitergeben. Erwartungen an sinkende Ticketpreise bezeichnete er als unrealistisch. Daten des [IATA Jet Fuel Price Monitor](https://www.iata.org/en/publications/economics/fuel-monitor/) belegen, dass die globalen Kerosinpreise zwar im Jahresverlauf zeitweise über 200 US-Dollar kletterten und bis Oktober 2026 wieder auf 187,34 US-Dollar pro Barrel nachgaben, die Ticketpreise diesem Rückgang jedoch nicht folgen. Während Vorstände steigende Kerosinkosten nutzen, um sofortige Preiserhöhungen zu rechtfertigen, zeigen sich Fluggesellschaften äußerst zögerlich bei Preissenkungen, sobald sich der Treibstoffmarkt beruhigt. Dieses Muster entspricht der sogenannten asymmetrischen Preistransmission, in der Wirtschaftswissenschaft auch als „Rockets and Feathers“-Effekt bekannt, bei dem Endkundenpreise bei Kostenschüben schnell steigen, bei sinkenden Großhandelspreisen jedoch nur träge nachgeben. Anstatt bei Tarifsenkungen die Initiative zu ergreifen, warten Carrier ab, bis die Konkurrenz den ersten Schritt macht, und sichern so erhöhte Margen zulasten der Passagiere. Aussetzung des Emissionshandels Um die Bilanzen europäischer Fluggesellschaften zu entlasten, forderte Herr Gerber eine befristete Aussetzung des europäischen Emissionshandels (EU ETS) für den Luftverkehr. Das System verpflichtet Fluggesellschaften dazu, für den CO2-Ausstoß auf Flügen innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums Verschmutzungsrechte zu erwerben. Herr Gerber argumentierte, einseitige europäische Klimavorgaben brächten heimische Anbieter im Wettbewerb mit außereuropäischen Fluglinien ins Hintertreffen. Fluggesellschaften mit Drehkreuzen im Nahen Osten oder der Türkei unterlägen für Umsteigeverbindungen keinen vergleichbaren Kosten, was nach seiner Darstellung Passagiere zu ausländischen Konkurrenten treibe. Die Weitergabe steigender Betriebskosten an die Reisenden folgt einem bekannten Muster in der Branche. Pax Sentinel berichtete bereits darüber, wie [einbrechende Betriebsgewinne zu weiteren Preiserhöhungen für Fluggäste führten](/de/article/YcKwfI86_plunging-operating-profits-prompt-further-passenger-fare-hikes), während Vorstände externe Faktoren wie Treibstoff und Abgaben als Begründung anführen. Hohe Standortkosten Zudem kritisierte Herr Gerber die Kosten am Standort Deutschland. Die gesamten Standortabgaben an deutschen Flughäfen hätten sich seit 2019 von 2,5 Milliarden auf rund 5 Milliarden Euro verdoppelt. Wegen dieser staatlich beeinflussten Gebühren seien Starts und Landungen in Deutschland bis zu siebenmal teurer als an spanischen Flughäfen, sagte Herr Gerber. Die jüngste Absenkung der Luftverkehrsteuer um 300 bis 400 Millionen Euro bezeichnete er als unzureichend. Er forderte Entlastungen bei den Standortkosten im Umfang von mindestens 2,5 Milliarden Euro. Condor hat bisher keine detaillierten Zahlen darüber vorgelegt, um wie viel Prozent die Ticketpreise auf Urlaubs- und Langstrecken im kommenden Winter steigen werden. Condor-Hauptgebäude