Pax Sentinel - Condor fordert Lufthansa-Töchter mit neuen Zürich-Flügen heraus

Die deutsche Ferienfluggesellschaft Condor baut ihr Streckennetz ab dem Flughafen Zürich für die Sommersaison 2027 aus und bietet Direktflüge nach Süditalien und Griechenland an, die in direkter Konkurrenz zu den Tochtergesellschaften der Lufthansa Group stehen. Die Fluggesellschaft plant, ab dem 17. Mai 2027 Verbindungen zwischen Zürich und Lamezia Terme in Kalabrien aufzunehmen. Die süditalienische Strecke wird zweimal wöchentlich mit Flugzeugen des Typs Airbus A320 bedient. Ab dem 2. Juli 2027 ergänzt Condor das Flugangebot ab Zürich um Flüge auf die griechische Insel Korfu. Die Verbindung startet zunächst mit einer wöchentlichen Rotation, bevor ab dem 21. Juli 2027 eine zweite wöchentliche Frequenz hinzukommt. Zum Einsatz kommen Flugzeuge der Typen Airbus A320 und A320neo. Die neuen Verbindungen sind Teil einer strategischen Neuausrichtung von Condor auf dem Schweizer Reisemarkt. Nach der Insolvenz des Reisekonzerns FTI im Sommer 2024 und dem Auslaufen der Zusammenarbeit mit DER Touristik stellte die Fluggesellschaft ihren Vertrieb verstärkt auf den Einzelplatzverkauf um. Der Flughafen Zürich fungiert als kaufkräftiges Einzugsgebiet im deutschsprachigen Alpenraum. Mit dem Ausbau tritt Condor in direkten Wettbewerb mit den Platzhirschen SWISS und Edelweiss Air, die beide zum Lufthansa-Konzern gehören. Die Lufthansa Group hält am Zürcher Drehkreuz eine marktbeherrschende Stellung. Eine frühere Untersuchung belegte, wie [Monopolmacht Schweizer Flugpreise in die Höhe treibt](/de/article/ZdTbQ5O7_monopoly-control-fuels-surging-swiss-airfares), während Fluggesellschaften des deutschen Konzerns mehr als zwei Drittel des Passagieraufkommens und den Grossteil des Umsteigeverkehrs in Zürich kontrollieren. Umkämpftes Touristiksegment Branchenbeobachter werten die Expansion als Versuch, Marktanteile im Schweizer Urlaubssegment abzusichern. Der Direktvertrieb an Endkunden soll Condor unabhängiger von traditionellen Reiseveranstaltern machen. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit der neuen Verbindungen ab Zürich ist jedoch anspruchsvoll. Der Markt für Mittelmeerflüge ab dem Schweizer Drehkreuz gilt als weitgehend gesättigt, was den Preis- und Margendruck auf zusätzlichen Nischenstrecken erhöht. Für Fluggäste birgt die geringe Frequenz von nur ein bis zwei Flügen pro Woche erhebliche Risiken im Betriebsablauf. Kommt es zu technischen Defekten oder Annullierungen, stehen auf solchen Nischenstrecken oft über Tage hinweg keine alternativen Direktflüge zur Verfügung. Die Lufthansa Group und ihre Schweizer Tochtergesellschaften haben sich zu den angekündigten Strecken von Condor bislang nicht öffentlich geäussert. Condor Airbus A321 (D-AIAD) in gelb-weiß gestreifter 'Sunshine'-Lackierung auf dem Vorfeld, mit Lufthansa-Flugzeugen im Hintergrund.