Die Lufthansa Group hat dem Ferienflieger Condor den Zugang zu vergünstigten Mitarbeiterflügen im gesamten Konzernnetz gesperrt. Damit entfällt für rivalisierende Flugbesatzungen eine zentrale Reisemöglichkeit, um an ihre Einsatzorte in ganz Europa zu gelangen. Die Entscheidung beendet die gegenseitigen Abkommen für Dienstreisen bei Austrian Airlines, Swiss, Brussels Airlines, Discover Airlines und Eurowings zum 1. November 2026. Durch solche Branchenvereinbarungen können Pilotinnen, Piloten und Kabinencrews freie Plätze auf Flügen anderer Airlines zu minimalen Kosten buchen, um ihr Dienstflugzeug zu erreichen. Da diese Verbindungen nun wegfallen, müssen Condor-Beschäftigte künftig auf Züge, Umwege oder reguläre Tickets ausweichen, was den Betriebsaufwand erhöht und Dienstpläne belasten kann. Die konzernweite Maßnahme weitet einen Schritt aus dem August 2026 aus, der zunächst nur die Kernmarke Lufthansa betraf. Interne Unterlagen, über die das Luftfahrtportal [aeroTELEGRAPH](https://www.aerotelegraph.com/airlines/lufthansa-group-beendet-condor-kooperation-zu-verguenstigten-dienstreisen-auch-fuer/swpdrlp) berichtete, belegen, dass die Sperre nun auf alle Tochtergesellschaften übertragen wurde. Gestaffelte Fristen Das Auslaufen der Regelung erfolgt in zwei Schritten. Zwischen Austrian Airlines und Condor endeten die Buchungsmöglichkeiten für vergünstigte Dienstreisen bereits am 30. September 2026. Bei Eurowings, Swiss, Discover Airlines und Brussels Airlines sind entsprechende Buchungen letztmalig am 31. Oktober 2026 möglich. Ab dem 1. November beschränkt sich die gegenseitige Nutzung von Reiserabatten zwischen Condor und der gesamten Lufthansa Group ausschließlich auf private Reisen. Eine Sprecherin der Lufthansa Group bestätigte die Kündigung und sagte, die Regelung für dienstlich veranlasste Reisen werde nicht fortgeführt. Zuvor hatte der Konzern den Schritt bei der Kernmarke damit begründet, die Vereinbarung sei über einen längeren Zeitraum unausgewogen genutzt worden, wodurch der Grundgedanke der Gegenseitigkeit entfallen sei. Operative Folgen Eine Sprecherin von Condor bedauerte die Entscheidung und verwies darauf, dass solche gegenseitigen Abkommen auch zwischen direkten Wettbewerbern dem Branchenstandard entsprechen. Condor wies ihre Beschäftigten darauf hin, künftig verstärkt auf alternative Flugverbindungen und die Bahn ausweichen zu müssen. Das Unternehmen warnte intern vor ungewohnten Dienstplan-Kombinationen. "Notwendige Dienstreisen werden selbstverständlich weiterhin sichergestellt", sagte eine Sprecherin von Condor. Hierfür würden alternative Routen genutzt oder reguläre Tickets gebucht. Da die Vereinbarungen auf Gegenseitigkeit beruhten, verlieren auch die Konzerntöchter der Lufthansa die Möglichkeit, eigenes Personal zu reduzierten Raten auf Condor-Flügen unterzubringen. Verschärfter Konkurrenzkampf Der vollständige Rückzug aus den Dienstreise-Abkommen markiert eine weitere Eskalation im Konflikt zwischen dem Marktführer und Condor. Die Rivalität hatte sich verschärft, seit der Konzern mit Discover Airlines einen eigenen Ferienflieger aufbaute, um Condor direkt anzugreifen. Zuvor trafen die Fluggesellschaften vor Gericht aufeinander, wo Condor erfolgreich [gegen das 6-Milliarden-Euro-Rettungspaket der Lufthansa klagte](/de/article/uEAp45WU_eu-court-confirms-6-billion-pandemic-aid-was-illegal). Mit dem konzernweiten Stopp entzieht die Lufthansa Group dem Konkurrenten logistische Flexibilität bei der Verlegung von Crews an deutschen Drehkreuzen. Dem Ferienflieger bleibt nur die Wahl zwischen längeren Reisezeiten für das Personal oder dem teuren Kauf regulärer Linientickets beim Konkurrenten.
